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Welche Trends prägen die Architekturfotografie 2026 in der Schweiz?

Nicolas Wolf
15.1.26
•
3min
Saxofonbild auf dem Tisch / Fotoreportage

Architekturbilder sehen heute anders aus als noch vor fünf Jahren. Das liegt weniger an neuen Kameras als daran, wo die Bilder landen und was Bauherren, Architekturbüros und Immobilienvermarkter damit erreichen wollen.

Die wichtigsten Trends in der Architekturfotografie 2026 sind natürlichere Bilder mit weniger Bearbeitung, Drohnenaufnahmen als fester Bestandteil, Menschen im Bild und Formate, die von Anfang an für Social Media mitgedacht werden. Dazu kommt der Wunsch, nachhaltige Bauweise sichtbar zu machen. Hier unsere Einschätzung aus der Praxis, auch dort, wo wir einen Trend kritischer sehen.

Warum setzt sich Natürlichkeit gegen Hochglanz durch?

Lange galt: Innenräume möglichst hell, jedes Fenster per HDR bis ins letzte Detail durchgezeichnet, der Himmel knallblau. Das Ergebnis sah oft eher nach Rendering aus als nach Gebäude. Heute wollen Architektinnen und Bauherren Bilder, die zeigen, wie sich ein Raum tatsächlich anfühlt.

Für uns heisst das vor allem: Timing statt Nachbearbeitung. Wir planen den Sonnenstand vorher und kommen dann, wenn das Licht die Fassade so trifft, dass Material und Struktur lesbar werden. Ein Sichtbetonbau zeigt bei flachem Abendlicht seine Schalungsstruktur, um zwölf Uhr mittags wirkt er flach und grau. Im Innenraum mischen wir Tageslicht und vorhandene Leuchten, statt alles mit Blitz zu fluten. Stürzende Linien korrigieren wir schon bei der Aufnahme mit einem Tilt-Shift-Objektiv. Wie das aussieht, zeigt unser Portfolio für Architekturfotografie.

Sind Drohnenaufnahmen inzwischen Standard?

Bei grösseren Überbauungen, Arealen und Liegenschaften mit besonderer Lage: ja. Eine Luftaufnahme erklärt in einem Bild, wie ein Gebäude zur Umgebung, zum See oder zum Bahnhof steht. Bei einer Stadtwohnung im dritten Stock bringt sie dagegen wenig. Wichtig ist die Planung, denn in der Nähe von Flugplätzen, Spitälern oder in Schutzgebieten gelten Einschränkungen, die wir vor jedem Einsatz prüfen. Mehr dazu im Beitrag Drohnenfotografie für Unternehmen.

Wie wird Nachhaltigkeit im Bild sichtbar?

Begrünte Fassaden, Holzbau, Photovoltaik auf dem Dach, viel Tageslicht im Innern. Das alles lässt sich zeigen, braucht aber Geduld. Eine Holzfassade wirkt bei bedecktem Himmel oft am ehrlichsten, weil keine harten Schatten die Maserung schlucken. Ein begrüntes Dach sieht im Mai anders aus als im November. Wir sprechen deshalb mit Bauherren früh über den Zeitpunkt, und manchmal lohnt es sich, ein Shooting auf zwei Termine zu verteilen. Wie Holz, Licht und Landschaft zusammenspielen können, zeigt unser Projekt Studiohaus Koya in Andermatt.

Was ändert Social Media an Architekturbildern?

Architekturbilder landen heute auf LinkedIn und Instagram, lange bevor jemand ein Exposé öffnet. Das hat praktische Folgen. Ein klassisches Querformat lässt sich nicht einfach ins Hochformat schneiden, ohne dass die Komposition kaputtgeht. Wir fotografieren die wichtigsten Perspektiven deshalb direkt in beiden Formaten und lassen bei Querformaten genug Luft für spätere Ausschnitte. Ehrlich gesagt sehen wir den Hype um kurze Videoclips gelassener als manche Agentur. Ein starkes Standbild trägt auf LinkedIn oft weiter.

Gehören Menschen auf Architekturbilder?

Immer öfter, und wir finden das richtig. Eine Person im Treppenhaus zeigt den Massstab, jemand am Fenster macht einen Raum bewohnt. Wichtig ist die Dosierung: Die Personen sollen den Raum beleben, nicht zum Hauptmotiv werden. Wir arbeiten dafür oft mit etwas längeren Belichtungszeiten, damit Menschen in Bewegung leicht verwischen und die Architektur scharf im Fokus bleibt. Weitere Beispiele aus der Vermarktung von Liegenschaften zeigen unsere Architekturbilder für Promopoint und Wincasa.

Natürlichkeit: weniger Bearbeitung, echtes Licht und Bilder, die einen Raum so zeigen, wie er sich vor Ort anfühlt. Dafür wird das Shooting stärker auf Sonnenstand und Tageszeit geplant.

Nein. Bei grossen Liegenschaften, Arealen und besonderen Lagen sind sie sehr hilfreich, bei einer Stadtwohnung bringen sie wenig. Vor jedem Flug müssen zudem lokale Einschränkungen geprüft werden.

Neben dem klassischen Querformat braucht es Hochformate für Instagram und LinkedIn. Diese sollten direkt beim Shooting fotografiert werden, weil ein nachträglicher Zuschnitt die Komposition oft zerstört.

Indem man Materialien wie Holz, Begrünung und Tageslicht gezielt zeigt und das Shooting auf Jahreszeit und Wetter abstimmt. Eine Holzfassade wirkt bei bedecktem Himmel oft ehrlicher als in harter Mittagssonne.

Ja, sparsam eingesetzt. Personen zeigen den Massstab und machen Räume bewohnt, sollten aber die Architektur nicht dominieren.

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